Die harsche Wahrheit zuerst: Als deutscher Fußball-Fan hat man es auf der Insel nicht gerade leicht. Abgesehen von der Tatsache, dass die meisten Briten für das teutonische Rasenballett höchstens ein lakonisches „Oh ballacks“ übrig haben (einzig und allein ein Name wird seit der WM mit Respekt gehaucht und schaffte es nach Englands schamhaftem Ausscheiden sogar auf die Titelseite des Evening Standard: „They Got Mullered“), gibt es selbst in der Hauptstadt nur drei Pubs, die die Bundesliga und die aus deutscher Sicht relevanten Europa- und Champions-League-Spiele übertragen. Je nach Verkehrslage sind alle natürlich zwischen vierzig Minuten und anderthalb Stunden mit Bus und Tube von meiner Wohnung in Westlondon entfernt. Üblicherweise zu finden bin ich daher im Zeitgeist, einem deutschen Pub in Vauxhall am Südufer der Themse, das (obwohl ein Blick auf die Speisekarte mit Käsespätzle, Obadzden, Semmelknödeln und Brotzeit anderes vermuten lässt – kein Fischbrötchen in Sicht!) recht Werder-freundlich ausgerichtet ist.